Negative Strompreise
Börsensituation, bei der Stromerzeuger für die Abnahme ihres Stroms bezahlen müssen.
Was sind negative Strompreise?
Negative Strompreise entstehen an der Strombörse, wenn das Angebot die Nachfrage so stark übersteigt, dass Erzeuger für die Abnahme ihres Stroms bezahlen müssen. Anders ausgedrückt: Stromkäufer werden dafür bezahlt, Strom abzunehmen.
Entstehungsmechanismus
Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht
- Hohe EE-Erzeugung: Viel Wind und/oder Sonne
- Niedrige Nachfrage: Wochenenden, Feiertage, Nachtstunden
- Unflexible Kraftwerke: Kernkraft, Kohle nur langsam regelbar
Typische Situationen
| Wetter | Tageszeit | Wochentag | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Sonnig & windig | Mittag | Sonntag | Stark negativ |
| Windig | Nacht | Wochentag | Leicht negativ |
| Bedeckt & windstill | Abend | Montag | Positiv (normal) |
Entwicklung in Deutschland
Historische Häufigkeit
- 2015: ~25 Stunden negativ
- 2020: ~100 Stunden negativ
- 2023: ~300 Stunden negativ
- Prognose 2030: >500 Stunden möglich
Rekordwerte
Der niedrigste Stundenpreis lag bei unter -500 €/MWh – Erzeuger zahlten also mehr als 50 Cent pro kWh für die Abnahme!
Auswirkungen
Für Erzeuger
- Konventionelle Kraftwerke: Verluste oder Abschaltung
- EE-Anlagen mit Marktprämie: Keine Vergütung
- EE-Anlagen mit fester Vergütung: Weiterhin Vergütungsanspruch (politisch diskutiert)
Für Verbraucher
- Großverbraucher: Können profitieren (werden fürs Verbrauchen bezahlt)
- Haushalte: Meist keine direkten Effekte (Festpreisverträge)
- Speicherbetreiber: Optimale Lademöglichkeit
Für das System
- Kosten: Negative Preise belasten EEG-Konto
- Signal: Zeigen Bedarf an Flexibilität
- Innovation: Treiben Speicherausbau voran
Chancen für Batteriespeicher
Negative Strompreise sind eine Goldgrube für Speicher:
Arbitrage-Strategie
1. Laden bei negativen Preisen: Geld fürs Laden bekommen
2. Entladen bei positiven Preisen: Zusätzliche Erlöse
3. Spread maximieren: Mehrfache Zyklen pro Tag möglich
Rechenbeispiel
| Phase | Preis | Aktion | Erlös/kWh |
|---|---|---|---|
| 12:00 | -100 €/MWh | Laden | +0,10 € |
| 19:00 | +200 €/MWh | Entladen | +0,20 € |
| Summe | +0,30 € |
Bei 90% Wirkungsgrad und 100 kWh Speicher: ~27 € pro Zyklus!
Marktmechanismen
Day-Ahead-Markt
- Negative Preise werden am Vortag für Stunden-Slots gehandelt
- Ermöglicht Planung für Speicherbetreiber
- Transparente Preisinformation
Intraday-Markt
- Kontinuierlicher Handel bis kurz vor Lieferung
- Noch extremere Preisschwankungen möglich
- Höhere Flexibilitätsanforderungen
Strategien zur Nutzung
Für Industriebetriebe
- Flexible Produktionsprozesse in negative Preisstunden legen
- Wärmespeicher oder Kältespeicher laden
- Elektrolyseure für Wasserstoff betreiben
Für Haushalte (mit dynamischem Tarif)
- Wärmepumpe mit Pufferspeicher
- E-Auto laden
- Batteriespeicher optimieren
Zukunftsperspektive
Mit weiterem EE-Ausbau werden negative Preise häufiger:
- Mehr Speicher: Zentraler Ausgleichsmechanismus
- Sektorkopplung: Überschuss in Wärme/Wasserstoff wandeln
- Europäischer Netzausbau: Bessere Verteilung
- Flexibilisierung: Nachfrage folgt Angebot
Anvo-Strategie
Unsere Speichersysteme nutzen negative Preise optimal:
- Automatische Preisüberwachung: Laden bei günstigen/negativen Preisen
- Prognosebasierte Steuerung: Vorausschauende Zyklusplanung
- Maximale Arbitrage: Algorithmen zur Erlösoptimierung