Netto- und Brutto-Kapazität

Unterschied zwischen der vom Hersteller angegebenen Gesamtkapazität und der tatsächlich nutzbaren Speicherkapazität.

Brutto- vs. Netto-Kapazität

Die Bruttokapazität (Nennkapazität) ist die Gesamtkapazität aller verbauten Batteriezellen – der Wert, der im Datenblatt steht. Die Nettokapazität ist der Anteil, der im realen Betrieb tatsächlich genutzt werden kann.

Die Differenz entsteht durch sogenannte SOC-Limits (State of Charge), die den nutzbaren Ladezustandsbereich einschränken.

SOC-Limits erklärt

Der State of Charge (SOC) beschreibt den aktuellen Ladezustand einer Batterie in Prozent:

Viele Hersteller begrenzen den nutzbaren Bereich, z. B. auf SOC 10–90%. Das bedeutet:

Warum werden SOC-Limits gesetzt?

Zellschutz bei konventionellen Systemen

Bei herkömmlichen Batteriesystemen altern Zellen ungleichmäßig. Um schwächere Zellen vor Tiefentladung oder Überladung zu schützen, werden Sicherheitspuffer eingebaut. Diese Puffer gehen direkt von der nutzbaren Kapazität ab.

Garantiebedingungen

Viele Hersteller knüpfen ihre Garantie an die Einhaltung bestimmter SOC-Grenzen. Ein Betrieb außerhalb dieser Grenzen kann zum Garantieverlust führen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Differenz zwischen Brutto- und Nettokapazität hat direkte Auswirkungen auf die Investitionsrendite:

Rechenbeispiel

Die effektiven Kosten pro nutzbarer kWh steigen um 25%, wenn nur 80% der Bruttokapazität verfügbar sind.

Auswirkung auf Trading-Erlöse

Bei einem täglichen Arbitrage-Spread von 8 ct/kWh:

Einzelzellladung als Lösung

Die Einzelzellladung (Single Cell Charging) ermöglicht es, jede Batteriezelle individuell zu laden und zu überwachen. Dadurch werden Zellungleichgewichte vermieden, und der volle SOC-Bereich (0–100%) kann sicher genutzt werden – ohne Puffer, ohne Kapazitätsverlust.

Worauf Investoren achten sollten

1. Datenblatt-Angaben hinterfragen: Wird Brutto- oder Nettokapazität angegeben?

2. SOC-Grenzen prüfen: Welcher Betriebsbereich ist garantiert?

3. Garantiebedingungen lesen: Welche Einschränkungen gelten?

4. Effektive Kosten berechnen: Immer auf Basis der Nettokapazität kalkulieren

5. Degradation berücksichtigen: Wie entwickelt sich die Nettokapazität über die Laufzeit?

6. Ertragsprognosen auf Netto-Basis erstellen: Wer Erlösmodelle auf Bruttokapazität aufbaut, überschätzt die Einnahmen systematisch – bei SOC-Limits von 10–90% um bis zu 25%. Jede Renditeberechnung, jeder Business Case und jede Finanzierungszusage sollte ausschließlich auf der Nettokapazität basieren.